Interview – Ruda Puda

Divine-Caroussel

 

 

BQD: Hallo Ruda Puda. Sehr außergewöhnlicher Drag Name, wie kamst Du auf diesen?

Ruda Puda: Ich habe vor einigen Jahren im Startreff in Köln gearbeitet. Da ich Rodolfo heiße, haben mich die anderen Mädels immer mit der weiblichen Abkürzung Ruda angesprochen. Daher war mein Künstlername am Anfang auch „Ruda Drag“. Damals war ich auch noch viel androgyner unterwegs. Als mein Mann und ich dann nach einem Nachnamen suchten, sind wir auf Puda (leitet sich vom Wort Puder ab) gekommen. Es ist sehr eingängig und hat, wie ich finde, einen schönen Klang.

BQD: Aktuell bist Du mit deinen Mädels in der Filmbühne am Steinplatz mit der Show „Verzaubert – hostet bei Ruda Puda“ zu sehen. War es schon immer ein Traum von Dir eine eigene Show zu kreieren? Vor allem wollen wir wissen wie Du zur Travestie gekommen bist?

Ruda Puda: Schon in Brasilien als kleiner Junge habe ich mir aus dem Fußball, der mir mein Vater geschenkt hat und der Wolle von meiner Mutter Perücken gebastelt. Ich denke also, dass ich Travestie und die Lust an Verkleidung im Blut habe. Mein Weg führte aber erst zum Sport. Ich war Leistungs-Turner in der Nationalmannschaft in Brasilien. Die Transformation zur Dragqueen habe ich damals nur zu Karneval oder auf Partys gemacht.

Erst nach einer schweren Erkrankung kam dann der Wechsel aus dem Leistungs-Sport zur Mode. Ich habe Modedesign in Köln studiert und mittlerweile eine eigenens Modelabel Prevelato. Während dieser Zeit habe ich dann auch schon als Ruda Drag im Startreff Cabaret in Köln gearbeitet und bin dann nach der Ausbildung nach Berlin gezogen. Ich lernte während dieser 3 Jahre auch viele der Berliner Dragqueens kennen, bekam einige Buchungen in Diskotheken. Ich vermisste aber das Leben im Theater, wie ich es in Köln kennen gelernt hatte. Daher kam mir die Idee, nach Las Vegas zu gehen und dort mein Glück als Dragqueen zu probieren. Als ich zurück in Berlin war, kam mir dann die Idee, ein ähnliches Konzept, wie in Las Vegas üblich, zu erarbeiten und entsprechend erfahrene und talentierte Dragqueen hinzu zu nehmen. Und dadurch wurde Divine Carousel geboren.

 

 

BQD: Vor vielen Jahren bist Du aus Brasilien nach Deutschland gekommen, wie war es damals für dich in ein anderes Land als Homosexueller zuziehen (warst Du schon bekennend Homosexuell zu dem Zeitpunkt?)?

Ruda Puda: Ich bin mit 20 Jahren der Liebe wegen nach Deutschland gekommen. Es ist also schon eine lange, lange, lange Zeit her. Für meine Mutter war die Tatsache, dass ihr einziger Sohn nach Deutschland geht, ein großer Schock. Für mich war die größte Barriere, die Sprache zu lernen und einer für mich damals fremden Kultur zu begegnen.

Durch mein, heute noch bestehende Partnerschaft war Homosexualität aber kein Thema für mich.

BQD: Wie vergleichst Du es, mit der aktuellen Sicht von heute und damals?

Ruda Puda: Ich bekomme nicht wirklich viel mit, was Dating oder Partnerschaft heute für die junge Generation bedeutet. Aber ich höre oft, dass es viel schwerer ist, jemanden wirklich kennen und lieben zu lernen. Aber Themen wie Homophobie, Ausgrenzung, Akzeptanz sind immer noch so aktuell wie damals. Wir haben einen guten Weg geschafft, dürfen aber gerade aufgrund der aktuellen Ereignisse, nicht nachzulassen, weiter zu kämpfen.

BQD: Aktuell unterstützt Du ja mit deiner Benefizshow am 21.07.2016 die Queere Flüchtlingseinrichtung in Treptow, was erhoffst Du dir von der Benefizshow?

Ich erhoffe mir, dass wir einen hohen Betrag an die Queere Unterkunft in Treptow überweisen können. Dafür ist natürlich die Hilfe aller, der Künstler und der Gäste nötig. Und ich hoffe, dass auch viele der queeren Flüchtlinge bei der Show dabei sein können. Denn neben dem finanziellen Unterstüzung, soll mit der Show Spaß und Freude vermittelt werden.

BQD: Wie sollte man deine Meinung nach dieses Thema der Gesellschaft nahe bringen?

Ruda Puda: Die queere Unterkunft in Treptow bietet für die Flüchtlinge einen Schutz vor Übergriffen und Anfeindungen, die sie in anderen Unterkünften erlebt haben. Daher ist es sehr wichtig, diesen Schutz aufrecht zu erhalten und z.B. nicht zu veröffentlichen, wo sich die Unterkunft befindet.

 

 

 

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